Batterie-Kapazität laut OBD

  • War hier länger nicht aktiv, aber habe jetzt etwas an meinem Auto entdeckt, das mich etwas unsicher macht.



    Ich muss auch dazu sagen, dass ich mit meiner Batterie wirklich nicht vorsichtig umgehe. Ich kann bei meiner Zweitwohnung nicht AC-Laden, und da pendle ich das meiste, deswegen sieht er die Aral Pulse Ladestation auch öfter. Er steht 99% der Zeit draußen, ich fahre ca. 50/50 Langstrecke und Pendelstrecke. Wenn ich dann mal AC Laden kann lade ich ihn dann auch mal auf 100% auf (fahre ihn dann aber auch keine 6h später wieder fast leer).

    Also, definitiv nicht optimal.

    Er hat jetzt fast genau 54k auf der Uhr. Mein Langzeit-Verbrauch ist bei ca. 18kWh/100km laut onboard computer (über die letzte 20k durchegerechnet, seit ich das letzte mal die 12V Batterie tauschen musste).


    Und jetzt ist mir über die letzten Monate aufgefallen, dass sich die Reichweite gefühlt etwas reduziert hat, der Verbrauch aber ziemlich konstant war. Da fehlen so 20-40km.

    Auch beim Laden gibt es um 80% immer mal wieder Anomalien wo die Ladeleistung einfach in den Boden fällt - er lädt mit über 100kW wie er sollte und dann fällt er plötzlich auf 10kW oder weniger runter. (Habe das aber bisher nur an Aral Pulse Ladestationen beobachtet, werde in kürze Ladeanbieter wechseln und muss das da mal beobachten.)



    Ich hab mir vor Ewigkeiten mal einen Veepeak OBDCheck BLE+ gekauft, da mich damals interessiert hat, ab welcher Temperatur welche Ladeleistung möglich ist. Und als ich neulich an der Ladestation stand dacht ich mir schaust halt mal, ob es da irgendwas interessantes gibt.


    Der onboard SoH ist 98,5%, was ja keine Katastrophe wäre. Aber der Wert ist ja eh mehr Wunschdenken vom System.

    Was mich aber verwirrt ist die Restkapazität die er reportet.

    Ich habe bei mehreren SoC's halt etwas 3-Satz gemacht und bin immer auf 67-68kWh gekommen. Das wären 6-7kWh zu den 74kWh nutzbar, oder fast 10 zu der vollen Kapazität (weiß nicht wie das System das Reportet, ob es den Puffer bereits raus rechnet oder nicht).

    Und 7% oder mehr Kapazitätsverlust nach 3 Jahren und 4 Monaten bzw. nicht mal 60k wäre jetzt schon ungemütlich viel, oder?

    Der Wert passt aber ungefähr zu meiner fehlenden Reichweite...


    Wenn ich das auf 160k bzw 8 Jahre hochrechne bin ich bei mehr als 20%.
    Ist das onboard reporting so daneben?

    Oder gibt es hier Leute, die ähnliche Werte haben?


    Die Spannungsunterschiede sind vollkommen im Rahmen (das Maximum, was ich gesehen hatte, war ein delta von 0,05V - auch das ist nicht unglaublich gut, aber auch nicht katastrophal). Also scheint es kein spezifisches Modul zu sein, dass die Batterie runter zieht.



    Ich muss ja dann eh demnächst zum 60k Service und werde das dort mal anmerken.

    Wäre nur sehr interessant zu wissen, ob ich da zu viel rein interpretiere oder ob die Werte bei anderen viel besser aussehen.

    2023 - Ioniq 6 RWD - Uniq - Digital Green - Vollausstattung

    Gekauft Juli 2024. Hätte ich ihn mir selber konfiguriert, dann etwas anders - hab ihn aber so bei einem Händler "um die Ecke" als Jahreswagen gefunden ^^

  • er lädt mit über 100kW wie er sollte und dann fällt er plötzlich auf 10kW oder weniger runter.

    Beim HPC-Laden ist die "Ladepause" um 80% SoC herum vollkommen normal und der Batterie-Chemie geschuldet, das hat nichts mit dem Ladeanbieter, der Säule oder sonst irgendwelchen externen Einflüssen zu tun.


    Aber der Wert ist ja eh mehr Wunschdenken vom System.

    Was mich aber verwirrt ist die Restkapazität die er reportet.

    Also einerseits gehst du davon aus, dass das Batterie-Management-System (BMS) "Wunschdenken" reportet, und andererseits hängst du dich an einem Wert auf, der aus genau dem gleichen System kommt.

    Du siehst den Bias? ;)

    Alle Werte, die das BMS ausgibt, basieren auf mehr oder weniger genauen Schätzungen, nahezu nichts (abgesehen von den Zellspannungen) ist dort exakte Mathematik oder eine hochgenaue Messung.

    Auch das ist schlicht ein Ergebnis der Umstände.

    Die Zelldrift (Unterschiede in den einzelnen Zellspannungen) hat übrigens eine minimale Auflösung von 0,05 V - alles, was darunter ist, wird das BMS nicht mehr ausgeben, weil das einfach keinen Sinn ergeben würde.


    Was du, vor allem bei deinem Nutzungsverhalten, mal tun solltest, ist, dem BMS ein Balancing der Zellen zu ermöglichen und möglichst genau die unteren und oberen Grenzen der Batterie zu kennen.


    Dazu fährst du die Batterie so leer wie möglich (mindestens bis runter auf 10% SoC, je niedriger, desto besser) und lädst dann langsam (max. 11kW AC) bis auf 100% auf.

    Im Optimalfall sollte nach Erreichen von 100% SoC weiterhin Ladestrom zur Verfügung stehen (kein Abschalten seitens der Säule), dann wird das BMS nach Lade-Ende anfangen, die einzelnen Zellen zu balancieren und möglichst auf eine einheitliche Zellspannung zu bringen.

    Je länger das BMS dafür Zeit hat, desto besser, als Faustregel wird üblicherweise von 3 bis 4 Stunden nach Lade-Ende berichtet.


    Danach sollte das BMS wieder halbwegs "kalibriert" sein und eine hinreichend genaue Ahnung davon haben, wie es der Batterie geht und wo die Grenzen liegen.

    Aber auch dann ist "remaining energy" nach wie vor eine Schätzung des BMS, wenn hier keine auffälligen Schwankungen (plötzlich nur noch 40 kWh bei 100% SoC oder andere Extremwerte) auftauchen, passt das schon alles.


    Die Batterie wirklich auf "Herz und Nieren" zu prüfen, ist aktuell nur mit dem Aviloo-Test (dem "großen", mit voll aufladen und dann möglichst leer fahren) möglich.

  • Also diese "Ladepause" ist dann DEFINITIV was neues - das hat er die ersten 1 1/2 Jahre nicht gemacht und die wird auch in keiner Ladekurve, die ich je zu dem Auto gesehen habe, gezeigt.

    Das war immer Stufenweise bis er um die 75% bei seinen ca. 130kW war und dann kw für kw runter gegangen ist.


    Zum Vergleich: Quelle evkx vs was ich relativ regelmäßig sehe.

    Das er wirklich weit runter geht gegen Ende ist klar - aber keine Zellchemie macht SOLCHE Sprünge.




    Und das Kalibrieren passiert quasi genau so wenn ich von Holzkirchen - Würzburg fahre, also alle paar Wochen.

    Wenn ich da ankomme ist das meist mit plus minus 15% und da wird er dann an der Wallbox auf 100% geladen.

    Kann versuchen ihn mal knapper leer zu fahren, aber kann mir das echt wenig vorstellen dass die 5% dem System im Weg stehen die Kapazität besser zu berechnen.



    Und ja. Der SoH aus den BSMs der Hyundai/Kia Autos ist bekannt optimistisch.

    Ich erwarte keine 98,5% nach dem was ich dem Auto antue.

    Aber wenn das BMS gleichzeitig den Wert und eine errechnet Restenergie von höchstens 68kWh ausgibt - und von Verbrauch mal Strecke vs SoC der 68kWh Wert wesentlich näher an der Realität liegt - ist das Vertrauen in einen Wert vs den anderen wesentlich realistischer.




    Ich werde nächste Woche sowieso noch n paar Strecken fahren müssen, dann kann ich die Werte mal mit Screenshots katalogisieren.

    Und ich werde ihn definitiv mal so leer wie möglich fahren bevor an die Wallbox kommt.

  • Also diese "Ladepause" ist dann DEFINITIV was neues

    Nein.

    Ich fahre meinen IONIQ 6 seit über 3 und diverse andere Modelle der 800V-Serie von Hyundai seit über 4 Jahren und kenne das nicht anders, das ist ein wohlbekanntes "Phänomen".


    Wie tief die Ladeleistung um 80% SoC (kann auch mal bei 83% SoC oder ähnlich auftreten) herum fällt, ist ein wenig von den Umgebungsbedingungen abhängig, aber ich habe vor Kurzem erst wieder den IONIQ 6 über 80% SoC am EnBW-HPC geladen (gegen 2 Uhr nachts, allein im Ladepark mit 8 Stück 300 kW-Säulen, ca. 15°C Außentemperatur, nach längerer Autobahn-Strecke) und die Ladeleistung wurde um die 80% bis auf 10 kW heruntergeregelt, um dann wieder auf ca. 75 kW zu steigen - Lade-Ende bei ca. 90% SoC.


    aber kann mir das echt wenig vorstellen dass die 5% dem System im Weg stehen die Kapazität besser zu berechnen.

    Es geht dabei um das "Ausloten" der unteren Grenzen der Zellspannungen/des Batterie-SoC, und ja, da macht es eben einen Unterschied, von wo aus das BMS zu "zählen" anfängt.


    Wenn du vor einem nicht einsehbaren Kuhstall stehst, und zählen sollst, wie viele Kühe in den Stall rein- und rauslaufen, macht es ja einen offensichtlichen Unterschied, wie viele Kühe sich anfangs in dem Stall befinden und vielleicht niemals herauslaufen.

    Wenn am Anfang 5 Kühe drin sind und auch drin bleiben, wird deine Zählung genauer, als wenn es 10 oder gar 20 Kühe sind, die du niemals siehst.